Einige „heiße Eisen“ im Kleingartenwesen.
Verschweigen oder ansprechen ?
Interview mit Axel Quandt (Gründer und Vorsitzender des Vereins „BRANDBRIEF – Pankower Netzwerk und Notgemeinschaft gegen Korruption ..... im Kleingartenwesen e.V.“). Zur Person: https://www.pankower-gartenzwerge.de/titelseite/zur-person-des-herausgebers/
K.H. Roth, seit vielen Jahrzehnten vorbildlicher Kleingärtner -mit Herz und Seele- und BRANDBRIEF-Mitglied, wurde gebeten, einige wichtige und z.T. auch vorwurfsvolle Fragen, die den BRANDBRIEF ... e.V. und/oder Herrn Quandt erreichten (via E-Mail, WhatsApp, Posts in sozialen Medien u.a.) zusammenzufassen und in diesem Interview zur Sprache zu bringen. Zahlreiche Aussagen von Axel Quandt in Interviews mit verschiedenen Tageszeitungen und Radiosendern sollen mit den nachfolgenden Antworten ergänzt werden.
Roth: Ein Facebook-Teilnehmer fragte, mit vorwurfsvollen Unterton, warum Du, Axel, Dich nicht um ein Amt beim Bezirksverband oder Landesverband bemühst, wenn Du doch „angeblich“ für das Kleingartenwesen zu kämpfen vorgibst.
Quandt: Mir geht es um die Förderung des Kleingartenwesens durch Korruptionsbekämpfung im Kleingartenwesen. Das sind zwei untrennbare Seiten derselben Medaille. Und ein „Kampf“ war und ist es tatsächlich, blicke ich auf die unzähligen gegen mich gerichteten anonymen Straftaten – und auf die vielen Gerichtsprozesse.
Hinter dem vorwurfsvollen Unterton des Fragestellers wittere ich die Aufforderung „störe unsere Kreise nicht !“. Ich kämpfe für das Kleingartenwesen, nicht aber für verkrustete Verbandsstrukturen und nicht für ein Vertuschen von Korruption, Unregelmäßigkeiten und/oder Unfähigkeiten einer Minderheit von Vereinsfunktionären. Inzwischen bin ich (nach einigem Zögern) davon überzeugt, dass der Kampf gegen Korruption in Verbänden/Vereinen „von außen“ (in meinem Falle 60 bis 80 Stunden in der Woche) wirksamer ist als „von innen“. Das sehen wir ja auch in der Praxis.
Als Verbandsfunktionär müsste ich mit problematischen Seilschaftlern verhandeln (der sogenannte „Brückenbau“), um Delegiertenstimmen aller Coleur buhlen, und Menschen lächelnd die Hände schütteln, die ich ggf. dann später anzeigen, verklagen und ausgrenzen müßte. Nein, zum Undercover-Agenten eigne ich mich nicht. Besser und ehrlicher ist der entschlossene Kampf „mit offenem Visier“ – und mit aller Macht (rechtsstaatlich korrekt). Zwar sind auch Verbands- und Landesfunktionäre hier dringend in der Pflicht, mein persönliches Engagement ist jedoch sinnvoller „von außen“. Es geht um den Schutz der Mehrheit der Anständigen.
Roth: Ein Anderer (übrigens ein BRANDBRIEF-Befürworter) fragte, ob ein „Generalverdacht“ gegen Vereinsfunktionäre gerechtfertigt oder sogar notwendig ist.
Quandt: Nein. Das ist nicht gerechtfertigt. Einige halten einen solchen Generalverdacht in Anbetracht der vielen Vorfälle für gerechtfertigt. Ich sehe das anders. Ich habe hundertfach öffentlich betont, dass die schwarzen Schafe (incl. der „nur“ vereinsrechtlich Schlimm-Inkompetenten) eine Minderheit sind, vielleicht 10 bis 20 Prozent. Diese Minderheit aber verursacht über 90 Prozent der „geruchsintensiven“ und z.T. haarsträubenden Machenschaften.
Mitunter wird der Begriff „Generalverdacht“, den wir angeblich für sinnvoll halten, aber auch als vorwurfsvolle Kritik (als Patrone) gegen BRANDBRIEF und überhaupt gegen kritisch Denkende polemisch ins Spiel gebracht. Das ist natürlich auch Unsinn. Reine Polemik. Auch hier wieder im Grunde nur der fromme Wunsch: „Stört unsere Kreise nicht“ ! Solchen Leuten antworte ich, lächelnd, mit der Frage, warum wohl Sie in der Nacht ihre Haustüren verschlossen halten oder warum wohl in vielen Gärten Bewegungsmelder installiert sind. Ja, oh Gott, diese schlimmen misanthropischen Anhänger des „Generalverdachts“. Ist nicht weiter ernst zu nehmen. Da stehen wir drüber.
Roth: Wie kommt es, dass in manchen Fällen Vereinsvorsitzende wiedergewählt werden, obwohl deren z.T. mehr als problematisches Verhalten Vielen schon bekannt ist oder bekannt sein müsste ?
Quandt: Viele Gründe sind hier zu nennen, vor allem aber vier. Erstens: Große Abhängigkeitsverhältnisse der Kleingärtner ggü. Vorständen, wie wir das zumindest in diesem extremen Ausmaß in anderen Bereichen (Sport, Kulturvereine, Schützenvereine etc.) nicht vorfinden. Garten- und Lauben-Wertschätzung, BKleingG-Überprüfungsbegehungen und vieles Andere. Überall gibt es hier durchaus erhebliche Spielräume – allemal de facto. Ich könnte hier endlos viele ganz konkrete Beispiele benennen. Sehr oft höre ich bspw. von Kleingärtnern, dass ihnen bei kritischen Fragen geantwortet wird: „Ganz vorsichtig mein Freund, auch du hast Leichen im Keller“.
Zweitens (verwandt mit Erstens): Manche zumindest versprechen sich durch Wohlverhalten ggü. dem Vorstand Vorteile durch den Vorstand – und oft geht die Rechnung dann auch auf.
Drittens: Anders als bspw. Menschen, die in einen Sportverein eintreten oder bei einer konfliktintensiven Bürgerinitiative mitmachen, geht es naturgemäß vielen Kleingärtnern um ein Rückzugs- und Entspannungs-Refugium, um Sonne, frische Luft und Ruhe. Aktivitäten beim Gemüseanbau; gerne (wenn auch mitunter eher leidenschaftslos). Kampf und Stress; nein Danke. Viele wollen naturgemäß nicht „in den Ring“, was aber bspw. bei der Korruptionsbekämpfung leider unvermeidbar ist.
Viertens: Manche Vorstände drohen bei harter Kritik an ihrem Verhalten (respektive Fehlverhalten) mit Rücktritt, etliche treten dann auch zurück. Da kann ich viele sehr konkrete Beispiele nennen. Da die Zahl bereitwilliger Neu-Kandidaten dann oft gering ist, drohen Vakanzen. Das kann gefährliche vereinsrechtliche Folgen haben.
Alle o.g. vier Faktoren wirken, sich wechselseitig sehr verstärkend, fatal zusammen. Gott sei dank gibt es auch genügend positive Gegenbeispiele. Die Mehrheit der Vorstände leistet gute Arbeit. Auch im BRANDBRIEF haben wir ja unter den Mitgliedern etliche Vorstände.
Roth: Wie kommt es, dass BRANDBRIEF unter den einfachen Kleingärtnern mehr Zuspruch findet als bei manchen Vereinsvorständen ? Hat das zu tun mit der alten Weisheit, wonach eine Krähe der anderen kein Auge aushakt ?
Quandt: Die Sache mit den Krähen ... nein. So einfach ist es nicht. Das ist gelegentlich der Fall, erklärt aber nicht das Wesentliche. Richtig ist zweifellos, dass manche Vorstände problematischen Unfug betreiben (wobei ich hier nicht schon immer von Korruption sprechen will); und diese Vorstände haben dann mitunter Angst vor Kritikern in ihren eigenen örtlichen Mitgliederversammlungen. Sie streben daher, manchmal leider fast bedingungslos, die unbedingte Unterstützung und Rückendeckung durch ihren Bezirksverband/Stadtverband/Regionalverband an; wobei man über dortige Defizite (und Schlimmeres) dann mitunter hinwegsieht bzw. gar nicht erst kritisch nachfragt. Der Pankower Kleingarten-Korruptions-Skandal ist dafür das beste Beispiel (wenn auch nicht das einzige). Es bleibt in Erinnerung.
Roth: Einige fragten, warum die Probleme und Unregelmäßigkeiten (und z.T. Schlimmeres) in Berlin offenkundig besonders ausgeprägt sind.
Quandt: Probleme und Unregelmäßigkeiten (und Schlimmeres) hatten/haben wir in vielen Bundesländern. Ich führe hier seit Jahren fast täglich Telefonate. Aber auch ich bin überzeugt, Berlin ist leider „führend“. Furchtbar. Und warum ist das so ? Ich vertrete die Meinung, dass das auch zusammenhängt mit der meiner Überzeugung nach problematischen Figur des Berliner Landesvorsitzenden Gert Schoppa.
Seit er Berliner Landesvorsitzender ist, gehen vom Landesverband weitaus weniger entschlossene und Konflikte nicht scheuende Initiativen aus gegen Unregelmäßigkeiten u.a. als bei früheren Landesvorsitzenden. Das habe ich oft begründet und auch detailliert dargelegt. Eine Widerlegung meiner Darlegungen ist mir nicht bekannt. Schoppa ist nach meiner Überzeugung sehr schwach, denn er ist in höchstem Maße angreifbar (aufgrund seiner Vita). Ich denke, dass er das auch weiß und ängstlich ist. Meiner Meinung nach erklärt sich daher seine schlimme „Zurückhaltung“ im Kampf (respektive: im nicht erkennbaren Kampf) gegen Notwendiges. In vielen Artikeln habe ich das begründet; u.a. auch mit ausführlichem Bezug zur Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts.
Siehe (zu Gert Schoppa): https://www.pankower-gartenzwerge.de/zur-person-des-präsidenten-des-landesverbands-berlin/
Klage gegen mich hat er nicht eingereicht. Sehr schade. Bloße zahlreiche Anwaltsschreiben werden hier lediglich amüsiert abgeheftet. Zeitverschwendung. Popkorn.
Ständiges Lächeln und liebliche Fotos, auf denen man Schoppa zusammen mit Kommunalpolitikern sieht (ich habe bereits ein nettes Album angelegt), nützen gar nichts, helfen den Berliner Kleingärtnern nicht.
Es geht um den Schutz der Mehrheit der Anständigen, um den Schutz des Kleingartenwesens (auch durch entschlossenen Kampf gegen Unregelmäßigkeiten und Schlimmeres).
Falls wir „eure Kreise stören“, das äußere ich, Axel Quandt, Manchen gegenüber, dann ist das gut so. Das werden wir auch zukunftig tun. Dies sei gewiss !
Siehe auch Facebook: https://www.facebook.com/groups/2458937317737295
Und die Pressemitteilung: https://www.berichtaktuell.de/2026/02/einige-heisse-eisen-im-kleingartenwesen-ursachen-der-korruptions-desaster-verschweigen-oder-ansprechen/
